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Welle über Liechtenstein
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Am Freitag dem 5.9. wollten sich zwei Gmünder Flieger die Fönwetterlage um das nördliche Rheintal nicht entgehen lassen. Aus dem Versuch wurde ein wunderschöner Flug mit kleinen Spannungseinlagen.
Es war endlich soweit: Dr. Stefan Burkhardt (der im Folgenden nur noch Stefan genannt wird) rief mich am Freitagmorgen an, um mir mitzuteilen, dass es in der Rheinebene um Liechtenstein eine Wellenbildung möglich sei. Der Wind aus Südwesten und die Berghänge in dieser Region würden die nötigen Voraussetzungen erfüllen.

Wir hatten uns auf 12.30Uhr in Aalen-Elchingen verabredet, da dort Stefans Stemme S10v stationiert ist. Normalerweise braucht man für diesen Weg aus Lorch ca. 45min – nur habe ich dafür fast doppelt so lange gebraucht, weil in Schwäbisch Gmünd der Bau der neuen Ortsumgehung (Tunnel unter der gesamten Stadt) für ein kleines Verkehrschaos mit Unfälle gesorgt hat. Die einspurigen Bundesstraßen von Gmünd nach Aalen trugen mit den LKWs nicht minder dazu bei, dass ich nun wohl 2 Jahre weniger zu leben habe. Als ich endlich in Aalen angekommen war und den Flugbetrieb sah, färbten sich meine Haare von Grau wieder in ihre natürliche Farbe zurück.

Fertig aufgebaut

Wie es sich für einen Flugzeughangar gehört standen dort mehr Flugzeuge drin als eigentlich reinpassen würden. Nach einer halben Stunde rangieren hatten wir unser Fluggerät endlich aus dem Hangar befreit und konnten den Schlafanzug entfernen. Die nach hinten gekreuzten Flügel kurz vorklappen, anstecken, Ruderanbindungen verbinden und fertig stand Sie da. Stefan hatte wohl während meines Kampfes auf den Straßen die Tanks gefüllt, denn die beiden Zeiger der Flächentanks standen auf „Voll“.

Insel Lindau und der Rhein

Dann ging es Schlag auf Schlag. Stefan führte den Vorflugcheck durch, meldete unseren Flug mit Ziel und geplanter Landezeit und startete den Motor. Von da an ging es über das Vorfeld, den Rollhalt auf die Startbahn und dann sofort auf Kurs unseres Zieles im Süden. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 180km/h haben wir in weniger als einer Stunde den Bodensee passiert. Ab dem Bodensee sind wir in den Steigflug gegangen und sind über Hohenems bei 2200m von Motorflug- in die Segelflugkonfiguration gewechselt.

Im Steigflug über Hohenems

Dort hatten wir schnell Anschluss an eine Welle gefunden und sind auf ca. 3000 Meter ohne einen einzigen Kreis hinauf geglitten. Inzwischen hatten wir mit der Wiener Flugkontrolle Kontakt und unseren Transponder aktiviert. Wir hatten gleich den Hinweis bekommen, dass wohl noch ein anderer Motorsegler in Segelkonfiguration in unserer Nähe sei – doch weder das Flarm noch unsere Augen konnten etwas erkennen. Da es Freitagnachmittag war, waren wir bis auf den anderen unsichtbaren Motorsegler alleine.

Osthang über Vaduz

Unser Ziel war es genügend Höhe zu gewinnen, um aus dem Gebirge nach Aalen ohne Motorunterstützung abzugleiten. Deshalb haben wir das ganze Land Liechtenstein nach den besten Steigwerten abgesucht. Nach einem halbstündigen Auf und Ab wollten wir es in der Schweiz versuchen. Dort wurden wir mit einem kräftigen 8m Abwind am Werdenberg begrüßt und sanken schnell auf unsere Segelflugstarthöhe. So schön die Schweiz ist – der Wind stand einfach zu ungünstig. Also sind wir wieder zurück nach Liechtenstein und haben uns am Hang, Südöstlich von Vaduz, in eine angenehme Höhe in Achterschleifen zurückgekurbelt. Von da aus ging es wieder nach Norden, diesmal nach Österreich – vielleicht sind die österreichischen Berge freundlicher?

6m Steigen

Über Feldkirch haben wir dann endlich gefunden was wir gesucht haben. Mit 6 m/s ging es nach oben. Nach 4000m suchten wir unsere Herausforderung weiter östlich. Entlang dem Tal um Bludenz hatten wir ein angenehmes 3m-Steigen bis Sauerstoff angesagt war. Eine halbe Stunde konnten wir dieses angenehme laminare Steigen (und Fallen) genießen, als dann unsere Uhr auch eine Ansage hatte: Es ist Zeit für den Rückflug, wenn wir noch vor Sonnenuntergang ankommen wollen. Ein Blick auf den Endanflugrechner genügte, um ein Lächeln auf unsere Gesichter zu legen: Geschafft! Wir haben + 900m auf Aalen hin in 4500m. Jedoch war klar, dass wir noch in den Bergen sind und wenn wir aus dem Steigen raus fliegen, fallen wir erst mal kräftig. So kam es dann auch, bis es im Rheintal wieder ruhig wurde. Dort nutzten wir noch die Sekundärwellen die ins Tal rein schwappten um nochmal mit 2m Steigen zur Verabschiedung ein paar Kreise zu ziehen. Nun war es aber Zeit: Wir mussten uns sputen.

Im Schnellflug nach hause

Die Münchner Flugkontrolle hat nochmal dazu beigetragen, dass wir uns noch mehr die Sporen gegeben haben, denn wir sollten auf eine viel niedrigere Flugfläche wechseln – aber die Bremsklappen kamen für uns nicht in Frage. Also Gas geben. Mit 200km/h sind wir auf unserem Kurs geblieben und sanken auf die vorgegebene Flugfläche. Von da an ging es wieder gemütlich mit der Geschwindigkeit des besten Gleitens (108km/h) weiter, bis kurz vor Aalen der Endanflugrechner noch +350m angezeigt hatte. Für das Gefühl der Sicherheit haben wir nochmal kurz den Motor bei Leerlaufdrehzahl und halb geschlossenen Kühlklappen warmlaufen lassen, um uns eine Versicherung durch das Durchstarten eines schnell anspringenden Motors zu geben. Das ist wirklich ein sehr großer Vorteil gegenüber konventionellen Segelflugzeugen.

Kurz vor Aalen

Als die Zylinderkopftemperatur im grünen Bereich war, haben wir ihn ausgeschaltet und den Anflug im Segelflug fortgesetzt. Die Sonne war schon recht tief und ein mittelstarker Wind – sonderbarerweise aus Osten, wogegen der Wind in den Bergen aus Südwesten kam! – war vorhanden. Somit war die Landerichtung 09 vorgegeben. Während dem Ausrollen auf der Landebahn wurde kurz der Motor gestartet, um direkt vor die Halle zu rollen. Dort angekommen wurden wir von zwei Aalener Fliegern begrüßt, die dann uns noch geholfen haben, das Flugzeug zu putzen und einzuhallen.

Zu Ende ging mein wahrscheinlich schönster Flug. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei Dr. Stefan Burkardt für diesen tollen Flug bedanken.

René Schmidt

 

Noch ein paar Impressionen:

Flug in die Alpen
Trotz 23m Spannweite überraschend agil
Landeanflug in Aalen

 

 

 

Eine kleine Analyse des Fluges:

Flugroute

 

Der Hang östlich von Vaduz Die gefundenen Wellen Starkes Lee

 

 

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