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Frank Rodewald Deutscher Meister im Streckensegelflug. Sechs Monate Wettbewerb, Abflug von jedem deutschen Flugplatz, jeder fliegt gegen jeden und startet, wann er das Wetter für am besten hält. Wie kann das funktionieren, wie wird es gewertet, gibt es da Gerechtigkeit? Modernste Techniken mit GPS, Logger und Internet machen den Vergleich möglich und küren am Saisonende den Deutschen Meister. Der Pokal in der Standartklasse ging nach Gmünd.

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Zweiundzwanzig Mal ist Frank Rodewald aus der Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd zwischen März und September 2008 in die Luft gegangen, um die größte Strecke aus den täglichen Wetterverhältnissen heraus zu holen. Jeder Streckenkilometer, den er im motorlosen Gleitflug zurücklegt, bringt Punkte für den Verein, und die drei weitesten Flüge kommen in die Endwertung: 762, 636 und 562 Kilometer. Das bedeutet fliegerische Höchstleistung, denn er ist jeweils bis zu zehn Stunden unterwegs. Ganz allein gegen sich selbst, denn frühestens am Abend kann er im Internet sehen, was andere Piloten aus der Thermik gemacht haben. Da braucht es viel Erfahrung zur Wettereinschätzung und große Ausdauer, um die unumgänglichen Tiefpunkte zu überwinden. Sein spannendster Flug war der letzte der Saison am 24. August. Zu diesem Zeitpunkt auf dem sechsten Platz, mit geringer Punktedifferenz auf den Gesamtsieg, setzte er alles auf eine Karte: Vom Hornberg aus sollte es nach St. Georgen im Schwarzwald gehen, dann über Mainbullau im Odenwald und über Dollnstein auf der Fränkischen Alb wieder zurück zum Hornberg. Hier seine Eindrücke: „Ganz zögerlich entwickelten sich die ersten Aufwinde zwei Stunden später als geplant. Um 11Uhr startete ich zum Trotz einiger Skeptiker, denn es war schon spät für die große Aufgabe. Richtung Südwest wurde es allmählich besser, aber am Klippeneck bekam ich im Funk wieder Pessimismus von Kollegen zu hören, die den Sprung in den Schwarzwald nicht wagen wollten. Der Zeitplan war noch im grünen Bereich, also probierte ich es. Die Thermik war tatsächlich äußerst müde, aber bei der Querung vom Nordschwarzwald in den Odenwald gab es eine kleine Überraschung: die Cumulus-Wolklen sahen gut aus, und die Steigwerte besserten sich, und schon stieg die Stimmung! Doch bald wieder Enttäuschung, denn trotz guter Optik musste ich mich mit schlechten Steigwerten und geringer Flughöhe herumschlagen. Meinem Zeitplan räume ich ein zusätzliches Polster von dreißig Minuten ein, denn mit etwas Glück wird’s abends ja nicht gleich aufhören – „schön reden“ eben! Die nächste böse Überraschung an der Wende über Mainbullau: Fallschirmsprungbetrieb, Wartezeit fünfzehn Minuten! Gedanklich hake ich den Flug ab. Die Wende noch nehmen und danach auf dem kürzesten Weg nach hause – vielleicht reicht das noch! Dann die größte Überraschung des Fluges: ab Walldürn sehr gute Wetteroptik mit guten Steigwerten, sogar Wolkenstrassen. Wenn der Schnitt jetzt hoch bleibt, könnte ich um 17:30 in Dollnstein wenden? Das wäre der spätest mögliche Zeitpunkt, denn dann bleibt bis Thermikende noch maximal eine Stunde für die letzten 85 Kilometer - also weiter! Punkt halb sechs bin ich über Dollnstein – es wird doch wohl noch reichen? … meine Nerven! Auf dem Rückweg wird die abendliche Thermik sehr müde, und die Gleitstrecken dazwischen sehr lang. An der Nördlinger Rieskante kann ich wieder etwas steigen, und die Höhe reicht weiter bis Neresheim. Über dem Kloster schwaches Steigen, aber noch nicht hoch genug. Über den Wäldern südlich Neresheim ein große, absterbende Cumulus-Wolke: wo steht der Aufwind darunter? Hundert Meter über mir zeigt ein kleiner Pulk von Bussarden den letzten Aufwind des Tages, geschafft! Siegessicher und voller Eindrücke von diesem spannenden Flug gleite ich zurück zum Hornberg.“ Jochen Aminde |